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Wie kann der weltweite Handel gerecht gestaltet werden?

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Rita Steglich, Mitglied der Steuerungsgruppe „Fairtrade“ Rheinbach berichtet: „Zu diesem Thema besuchte ich ein Seminar mit drei Referenten.“ Der Referent von Misereor schilderte, dass die Weltbevölkerung und ihr Nahrungsmittelkonsum wachsen. Wächst damit aber auch die Anzahl der im Nahrungsmittelbereich tätigen Firmen? Das Gegenteil ist der Fall: Konzerne kaufen kleinere Firmen und steigern so Marktanteile und Macht.

Die großen Firmen können damit die Preise, Geschäftsbedingungen und zunehmend auch die politischen Rahmenbedingungen diktieren. Vieles, was wir im Norden verbrauchen, wird billig im globalen Süden produziert. Die Gewinne erzielen wenige überwiegend im Norden beheimatete Unternehmen. Die großen Verlierer sind die Plantagenarbeiter und Kleinbauern im Süden als schwächste Mitglieder der Wertschöpfungskette.
Der Referent von Germanwatch vermittelte einen Eindruck von den wirtschaftlichen Zusammenhängen weltweit, den Problemen der Entwicklungsländer und den Handlungsmöglichkeiten. Seine Forderungen waren: Die Regeln, die die Industriestaaten bevorzugen (Exportsubventionen), müssen dringend geändert werden. Das würde den Entwicklungsländern mehr Spielraum geben. Das Freihandels abkommen der EU auch mit den AKP-Ländern (Afrika, Pazifik, Karibik) soll die regionale Inte gration in diesen Ländern fördern. Das bedeutet nicht
nur Handel mit Gütern, sondern auch mit Dienstleistungen und Investitionen sowie Wettbewerbsrecht über den Zugang zu Rohstoffen. Importe aus „Fairer“ Produktion und der Zugang zu fairen Rohstoffen müssen unterstützt werden.

Deswegen muss man das GSP (Allgemeines Präferenzsystem) ausbauen, eine verpflichtende Kennzeichnung einführen, die öffentliche Beschaffung stärken und finanzieren. Außerdem muss die ILO (International Labour Organiza tion) damit beauftragt werden, internationale Arbeitsstandards weiterzuent wickeln. Die Fairtrade-Referentin machte u. a. deutlich, was wir als Konsumenten tun können: Verkaufspersonal nach Produkten aus fairer Produktion fragen, Fairtrade- und Bioprodukte bevorzugen und im Freundes - und Bekanntenkreis auf die Thematik aufmerksam machen. Der faire Handel hat eine große Zukunft.

Mehr als 1,4 Mio. Kleinbauern, Arbeiterinnen und Arbeiter in 74 Ländern profitieren schon jetzt direkt von den Vorteilen des Fairen Handels. Hinzu kommen ca. 6 Mio. Angehörige, die ebenfalls ein faires Leben führen können. Mittlerweile liegt der Umsatz für faire Produkte mit Siegel in Deutschland bei mehr als 694 Mio. € und es entstehen immer mehr langfristige Handelspartnerschaften.

Außerdem gibt es stabile Mindestpreise, Prämien für Gemeinschaftsprojekte, eine Bio-Prämie und die Produzenten können zu 50% mitbestimmen, wofür diese Gelder verwendet werden, sei es im medizinischen oder sozialen Bereich, um eine gute Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.